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Facility Management: Kommunikation » Strategie » Konzepte
Kommunikationskonzepte im Facility Management
Facility Management funktioniert nur, wenn Informationen rechtzeitig die richtigen Personen erreichen. Technische Leistungen, Störungen, Baumaßnahmen, Nutzungsänderungen, Sicherheitsanforderungen, Serviceangebote und Entscheidungen müssen nicht nur fachlich richtig bearbeitet, sondern auch verständlich kommuniziert werden.
Ein Kommunikationskonzept schafft hierfür verbindliche Strukturen. Es legt fest, wer wen zu welchem Anlass mit welchen Informationen über welchen Kanal informiert, wer verantwortlich ist und wie bei Abweichungen oder kritischen Situationen eskaliert wird.
Damit wird Kommunikation von einer persönlichen Fähigkeit einzelner Beschäftigter zu einem gestaltbaren Bestandteil der FM-Organisation.
Kommunikationskonzepte im Facility Management: Klare Informationswege, Stakeholdermanagement und wirksame Kommunikation
- Kommunikationkonzepte
- Informationsbedarf
- Kommunikationsanlässe
- Verantwortlichkeiten
- Kommunikationskanäle
- Service Desk
- FM-Dienstleister
- Kommunikation bei Störungen
- Transformation
- Kommunikationsmatrix
- Relevanz
- Kommunikation messbar verbessern
Nicht ein Kommunikationskonzept für alles
In größeren Organisationen ist ein einziges übergreifendes Kommunikationskonzept häufig zu unspezifisch. Die Kommunikationsanforderungen eines technischen Störfalls unterscheiden sich erheblich von einer Standortverlagerung, einer Nutzerinformation zur Reinigung oder einem Konflikt mit einem Dienstleister.
Sinnvoll ist deshalb ein übergeordnetes Rahmenkonzept, unter dem anlass- und prozessbezogene Teilkonzepte entwickelt werden.
Je nach Organisation können insbesondere folgende Kommunikationskonzepte erforderlich sein:
Nutzer- und Mieterkommunikation,
interne FM-Kommunikation,
Dienstleister- und Auftragnehmerkommunikation,
Störungs- und Eskalationskommunikation,
Notfall- und Krisenkommunikation,
Projekt- und Baukommunikation,
Change- und Transformationskommunikation,
Umzugs- und Standortkommunikation,
Führungskommunikation,
Beschwerdekommunikation,
Betreiber- und Sicherheitskommunikation sowie
Stakeholderkommunikation.
Von der Zielgruppe zum Informationsbedarf
Ein gutes Kommunikationskonzept beginnt nicht mit der Frage, welcher Kommunikationskanal verwendet werden soll. Zunächst muss geklärt werden, wer welche Information benötigt, um handeln oder eine Situation richtig beurteilen zu können.
Die Zielgruppen im Facility Management sind vielfältig, u. a.:
Beschäftigte und Gebäudenutzer,
Führungskräfte,
Facility Management,
Haustechnik und Objektleitung,
Empfang und Service Desk,
externe FM-Dienstleister,
Planer und Bauunternehmen,
Eigentümer und Vermieter,
Einkauf und Vertragsmanagement,
Arbeitssicherheit und Brandschutz,
HR und Unternehmenskommunikation,
Betriebs- oder Personalrat,
Behörden und Prüforganisationen sowie
Geschäftsführung und weitere Entscheidungsträger.
Die Informationsbedürfnisse dieser Gruppen unterscheiden sich erheblich.
Während die Geschäftsführung beispielsweise Informationen über Auswirkungen, Risiken, Kosten und Entscheidungsbedarf benötigt, interessieren Gebäudenutzer vor allem konkrete Auswirkungen auf ihren Arbeitsplatz und ihr Verhalten.
Dasselbe Ereignis kann deshalb unterschiedliche Botschaften für unterschiedliche Empfänger erfordern.
Kommunikationsanlässe systematisch definieren
Besonders wirksam wird ein Kommunikationskonzept, wenn typische Kommunikationsanlässe bereits vor ihrem Eintritt beschrieben werden. Aus Anlassgruppen lassen sich standardisierte Kommunikationsabläufe entwickeln.
Im Gebäudebetrieb können dies beispielsweise sein:
Planbare Ereignisse: Wartungen, Prüfungen, Bauarbeiten, Umzüge, Sperrungen, Nutzungsänderungen, Veranstaltungen oder Änderungen von Servicezeiten lassen sich frühzeitig ankündigen. Hier stehen rechtzeitige Information und gute Vorbereitung im Vordergrund.
Ungeplante Störungen: Ausfälle von Aufzügen, Heizung, Kälte, Strom, IT-Infrastruktur oder anderen Gebäudefunktionen erfordern schnelle und verlässliche Kommunikation. Nutzer müssen erfahren, was betroffen ist, welche Auswirkungen bestehen und wann mit weiteren Informationen gerechnet werden kann.
Kritische Situationen: Bei Brandereignissen, Evakuierungen, erheblichen Versorgungsausfällen oder anderen Notfällen gelten andere Prioritäten. Kommunikation muss eindeutig, schnell, abgestimmt und frei von widersprüchlichen Aussagen sein.
Veränderungsprozesse: Neue Arbeitsplatzkonzepte, Standortverlagerungen, organisatorische Veränderungen oder neue FM-Services benötigen häufig eine längerfristige Kommunikationsplanung mit Beteiligung, Dialog und Feedback.
Der Kommunikationsprozess muss Verantwortlichkeiten festlegen
Unklare Zuständigkeiten sind eine häufige Ursache widersprüchlicher oder verspäteter Informationen. Ein Kommunikationskonzept sollte deshalb nicht nur Botschaften und Kanäle beschreiben, sondern Verantwortlichkeiten eindeutig zuordnen.
Für wichtige Kommunikationsfälle sollte festgelegt werden:
Wer stellt den Sachverhalt fest?
Wer prüft die fachlichen Informationen?
Wer entscheidet über die Kommunikation?
Wer formuliert die Information?
Wer gibt sie gegebenenfalls frei?
Wer verteilt sie?
Wer beantwortet Rückfragen?
Wer aktualisiert eine bereits veröffentlichte Meldung?
Wer beendet die Kommunikation nach Abschluss des Ereignisses?
Kommunikationskanäle nach Aufgabe auswählen
E-Mail ist nicht automatisch der geeignete Kommunikationskanal für jedes Ereignis. Moderne FM-Organisationen verfügen über zahlreiche Möglichkeiten: Service-Portale, CAFM-Systeme, Intranet, Apps, Messenger, Telefon, digitale Displays, Ticketsysteme, Teams-Plattformen, persönliche Gespräche oder klassische Aushänge. Die Auswahl sollte sich nach dem Kommunikationsziel richten.
Eine kurzfristige Warnung benötigt beispielsweise einen anderen Kanal als eine ausführliche Erläuterung eines neuen Arbeitsplatzkonzeptes. Eine Störungsmeldung sollte nachvollziehbar und aktualisierbar sein, während bei Konflikten oder sensiblen Personalthemen das persönliche Gespräch regelmäßig wichtiger ist als digitale Kommunikation. Ein Kommunikationskonzept sollte deshalb für wesentliche Anlässe einen Primärkanal und gegebenenfalls ergänzende Kanäle definieren.
Zugleich sollte vermieden werden, dieselben Informationen unkoordiniert über zahlreiche Systeme zu verbreiten. Mehr Kanäle bedeuten nicht automatisch bessere Kommunikation. Entscheidend sind Eindeutigkeit, Aktualität und Verlässlichkeit.
Der Service Desk als Kommunikationsdrehscheibe
In professionell organisierten Facility-Management-Strukturen kann der Service Desk eine zentrale Rolle übernehmen. Hier laufen Meldungen, Fragen und Beschwerden zusammen; gleichzeitig können Informationen aus dem FM gezielt an Nutzer zurückgegeben werden.
Damit entsteht ein geschlossener Kommunikationskreislauf: Meldung → Erfassung → Bewertung → Bearbeitung → Rückmeldung → Abschluss
Gerade bei Störungen ist diese Rückmeldung wesentlich. Nutzer erwarten nicht ausschließlich eine technische Problemlösung, sondern auch Transparenz über den Bearbeitungsstand. Ein gutes Kommunikationskonzept legt deshalb fest, wann eine Eingangsbestätigung erfolgt, wann Zwischeninformationen notwendig sind, wie Verzögerungen kommuniziert werden und wie der Abschluss einer Leistung bestätigt wird.
Kommunikation mit FM-Dienstleistern verbindlich organisieren
Ein erheblicher Teil des Facility Managements wird durch externe Unternehmen erbracht. Kommunikation an diesen Schnittstellen sollte deshalb nicht vom persönlichen Arbeitsstil einzelner Objektleiter oder Dienstleister abhängen.
Bereits in Leistungsbeschreibungen und Verträgen können Kommunikationsanforderungen festgelegt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
feste Ansprechpartner und Vertretungsregelungen,
Regeltermine und Jour fixes,
operative Tages- oder Wochenabstimmungen,
standardisierte Berichte,
Meldepflichten bei Störungen,
Eskalationsstufen,
Reaktionszeiten,
Dokumentation von Entscheidungen,
Ansprechpartner für Nutzerbeschwerden sowie
Kommunikationsregeln bei kritischen Ereignissen.
Kommunikation bei Störungen muss vorbereitet sein
Unter Zeitdruck entstehen leicht unvollständige oder widersprüchliche Aussagen. Für häufige oder besonders kritische Störungsszenarien können deshalb vorbereitete Kommunikationsstrukturen sinnvoll sein.
Eine gute Störungsinformation beantwortet möglichst knapp:
Was ist passiert?
Was ist betroffen?
Welche Auswirkungen entstehen?
Was sollen die Betroffenen tun?
Was wird zur Behebung unternommen?
Wann folgt die nächste Information?
Gerade die letzte Frage ist relevant.
Wenn die Dauer einer Störung zunächst unbekannt ist, sollte keine unbegründete Prognose abgegeben werden. Verlässlicher ist die Ankündigung eines nächsten Informationszeitpunktes.
So bleibt Kommunikation glaubwürdig, auch wenn die technische Ursache noch untersucht wird.
Kommunikation als Bestandteil von Change und Transformation
Facility Management verändert unmittelbar das Arbeitsumfeld von Menschen. Neue Arbeitsplatzkonzepte, Desk Sharing, digitale Zutrittssysteme, neue Gastronomiekonzepte, veränderte Mobilitätsangebote oder Standortkonsolidierungen können deshalb nicht ausschließlich technisch geplant werden.
Betroffene wollen wissen, warum eine Veränderung erfolgt, welche Auswirkungen sie hat und welche Möglichkeiten zur Mitwirkung bestehen. Kommunikationskonzepte für Veränderungsprojekte sollten deshalb frühzeitig mit der Projektplanung verbunden werden. Kommunikation beginnt nicht erst kurz vor der Inbetriebnahme. So wird Kommunikation zu einem Instrument der Implementierung und nicht lediglich zur Begleitung einer bereits getroffenen Entscheidung
Sinnvoll können unterschiedliche Phasen sein:
Orientieren: Anlass, Ziele und Rahmenbedingungen erklären.
Beteiligen: Erfahrungen, Anforderungen und Bedenken aufnehmen.
Vorbereiten: konkrete Veränderungen und neue Abläufe erläutern.
Umsetzen: während der Einführung schnell auf Fragen und Probleme reagieren.
Stabilisieren: Erfahrungen auswerten und Prozesse nachjustieren.
Kommunikationsmatrix als praktisches Steuerungsinstrument
Ein Kommunikationskonzept sollte in die betriebliche Praxis übersetzt werden. Dafür eignet sich beispielsweise eine Kommunikationsmatrix.
Für jeden wesentlichen Kommunikationsanlass können darin hinterlegt werden:
| Kommunikationsanlass | Zielgruppe | Inhalt | Verantwortlich | Kanal | Zeitpunkt | Eskalation |
|---|---|---|---|---|---|---|
| geplante Wartung | betroffene Nutzer | Zeitraum und Einschränkung | Objektleitung | Portal/E-Mail | vor Beginn | bei Terminänderung |
| technische Störung | betroffene Bereiche | Auswirkung und Status | Service Desk | Meldesystem | unverzüglich | nach Kritikalität |
| größere Baumaßnahme | Nutzer und Führungskräfte | Ablauf und Auswirkungen | Projektleitung | mehrere Kanäle | phasenbezogen | Projektsteuerung |
| kritisches Ereignis | definierter Empfängerkreis | Verhalten und Lage | Krisenorganisation | festgelegte Alarmwege | sofort | entsprechend Notfallorganisation |
Weniger Kommunikation kann manchmal besser sein
Professionelle Kommunikation bedeutet nicht, möglichst viele Nachrichten zu versenden. Zu viele Informationen führen dazu, dass wichtige Meldungen nicht mehr wahrgenommen werden.
Deshalb sollte zwischen unterschiedlichen Informationsklassen unterschieden werden. Nicht jede technische Wartung betrifft sämtliche Beschäftigten, nicht jede interne FM-Abstimmung muss an Nutzer kommuniziert werden und nicht jede Störung rechtfertigt eine unternehmensweite Nachricht.
Ein leistungsfähiges Kommunikationskonzept sorgt dafür, dass Informationen relevant, adressatengerecht und angemessen priorisiert werden.
Auch Kommunikationsprozesse lassen sich überprüfen
Dabei sollte nicht nur gezählt werden, wie viele Meldungen verschickt wurden.
Aussagekräftiger sind beispielsweise:
Reaktionszeiten auf Nutzeranfragen,
Anteil termingerecht beantworteter Meldungen,
Anzahl wiederholter Nachfragen zum gleichen Sachverhalt,
Beschwerden über fehlende oder unklare Informationen,
Einhaltung definierter Eskalationswege,
Bearbeitungsdauer von Beschwerden,
Nutzerzufriedenheit,
Qualität von Service-Desk-Rückmeldungen sowie
Erkenntnisse aus Störungen und Projekten.
